Sichtbarkeit der Pflege
Ihre Fantasie ist gefragt !von
Pierre-André Wagner
„Nein,
nicht schon wieder eine Image-Kampagne“, mag die Reaktion
einiger kritischer ZeitgenossInnen auf die Ankündigung gewesen
sein, der SBK habe am Basler Kongress 2005 zum „Jahr der
Sichtbarkeit der Pflege“ erklärt. Diese kritischen Geister haben
recht: unser Beruf braucht schon aus dem Grund keine
Image-Kampagne, dass er kein Imageproblem hat. Im Gegenteil: die
Pflege hat ein bombiges Image: (fast) alle lieben uns!. Doch was
nimmt der Durchschnittspatient mit? Wir sind lieb, wir sind
nett, „gschpürig“, freundlich lächelnd trotz Sturm und Wetter,
wertvolle Stütze in schwerer Stund’. Stimmt ja alles. Aber was
tun wir eigentlich?
Fällt es uns
endlich ein, unsere schwer erworbenen Kompetenzen statt unseren
guten Charakter herauszustreichen, begehen wir nur allzu leicht
den umgekehrten Fehler: Pflege ist transkulturelle
Kompetenz! Pflege ist Beziehungsprozess! heisst es dann
hochgestochen. Stimmt ja alles. Die Frage des staunenden Laien
bleibt indessen so unbeantwortet wie gerechtfertigt: „Aber was
tun die eigentlich?“
Pflege ist Kommunikation. Doch wenn es
darum geht, über unseren eigenen Beruf zu sprechen, verstummen wir
entweder ganz, oder sehen vor lauter Bäume den Wald nicht mehr. Mich
interessieren die Kompetenzen des Bäckers nur sekundär - Hauptsache, er
backt leckere Brötchen. Was unsere PatientInnen und darüber hinaus alle
Leute da draussen, die uns schliesslich bezahlen, wissen dürfen, wissen
wollen, wissen müssen, ist ganz einfach was wir machen. Welchen Beitrag
wir leisten. Denn: „Nur wer über Pflege sprechen kann und weiss, was
Pflege bedeutet und was Pflege leistet, ist in der Lage, Einfluss zu
nehmen und Forderungen durchzusetzen. Wenn Pflege [...] nicht vorkommt,
wird Pflege auch bei der Verteilung der Ressourcen nicht vorkommen“.
Ja was tun wir? Wir gewährleisten den
Erfolg chirurgischer Eingriffe und medizinischer Behandlungen. Wir sind
für die umfassende Früherkennung und Abwendung von Schmerzen, weiteren
Nebenwirkungen und Komplikationen zuständig. Wir tragen dazu bei, dass
chronisch und psychisch Kranke zuhause bleiben können. Wir verteidigen
die Würde des Patienten im Angesicht einer Medizin, die sich zunehmend
nur noch selbst zelebriert. Wir retten Leben.
Aufklärung tut Not
Was Not tut, ist Aufklärung. Die Zeiten
sind hart. Kuscheligkeit ist nicht gefragt. Verbalakrobatien auch nicht.
Gefragt wird nach Franken und Rappen. Wir dürfen uns auf diesen Diskurs
ruhig einlassen, auch wenn es vielen von uns noch schwer fällt. Verena
Diener, Züricher Gesundheitsministerin, ortet Sparpotenzial
beispielsweise darin, bettlägerige Patienten weniger häufig umzulagern
(Sonntagsblick vom 20. Juni 2004). Mit Verlaub: Frau Diener hat keine
Ahnung von Krankenpflege. Sie meint wohl, Pflegende lagern Patienten um,
damit sich diese wohl fühlen. Wir wissen: im statistischen Durchschnitt
kostet die Behandlung eines Dekubitus über 50'000 Franken.
Dass wir uns richtig verstehen: es geht nicht um unseren Stolz. Auch
wenn es melodramatisch tönt: es geht um unsere Daseinsberechtigung, um
die blanke Möglichkeit, unseren gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen,
und letztendlich um das Überleben unseres Berufes. SkeptikerInnen mögen
einen kurzen Blick in verschiedene Richtungen über unsere Landesgrenze
werfen.
C
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